Bakterieller Schleier Terrasse
Hydrothermale Schlote

Bakterieller Schleier Terrasse

An den Terrassenstufen frischer, schwärzlich glänzender Basalte breiten sich dichte mikrobielle Matten wie nasses, perlmuttfarbenes Gewebe aus – das Lebenswerk chemoautotropher Bakterien und Archaeen, die gelösten Schwefelwasserstoff und Methan aus diffusen Entgasungsschloten in organische Substanz umwandeln, ganz ohne jedes Sonnenlicht. Das austretende Hydrothermalwasser, kaum wärmer als die umgebende Tiefsee, lässt die Mattenränder in einem mineralischen Schleier zittern und trägt feine Sulfidpartikel durch das glasklare, aber von Meeresschnee durchzogene Wasser; weiter hinten heben sich einzelne Schwarze Raucher aus dem Basalt, ihre dichten Fahnen von einem schwachen chemolumineszenten Orangerot erhellt, das aus frisch gebrochenen Gesteinsklüften dringt. In den Taschen zwischen den Matten kauern blendend weiße Tiefseemuscheln der Gattung *Calyptogena*, deren Kiemen chemoautotrophe Endosymbionten beherbergen, während blasse *Riftia*-Röhrenwürmer aus Rissen aufragen und Yeti-Krabben (*Kiwa*-Arten) mit ihren borstigen Scheren die Matten abernten – eine ganze Gemeinschaft, die bei Drücken von mehreren Hundert Atmosphären existiert, fernab jeder Photosynthese. Dieser Ort existiert in vollständiger Finsternis und vollständiger Eigenständigkeit: ein tektonisch gesteuertes Ökosystem, in dem der Planet selbst die Energie liefert und das Leben allein zwischen heißem Gestein und eiskaltem Abyssalwasser seinen Kreislauf dreht.

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