Holothurien Garten Unterführung
Pottwale und Riesenkalmare

Holothurien Garten Unterführung

In der Tiefe zwischen 4.000 und 6.000 Metern, wo der hydrostatische Druck auf bis zu 600 Atmosphären ansteigt und die Wassertemperatur kaum über 1–3 °C liegt, beweidet eine weitläufige Gemeinschaft blasser Holothurien — Seegurken der Gattungen *Scotoplanes* und *Psychropotes* — die feinkörnigen, braungrauen Sedimente einer abyssalen Ebene, deren Oberfläche von Manganknollen gepunktet und von zarten Kriechspuren durchzogen ist. Weit oberhalb dieses stillen benthischen Gartens, in einer Wassersäule, die jedes Sonnenlicht längst verschluckt hat, entfaltet sich eine der gewaltigsten Begegnungen der Tiefsee: *Physeter macrocephalus*, der Pottwal, treibt einen *Architeuthis dux* seitwärts durch die absolute Dunkelheit, sein massiver, narbendurchzogener Körper erzeugt Strömungswellen, die noch Meter entfernt spürbar sind, während die langen Tentakel des Kalmars mit hakenbewehrten Saugnäpfen ins Gewebe des Wals greifen. Die Kollision der beiden Körper aktiviert Biolumineszenz im umgebenden Wasser — Dinoflagellaten und aufgewirbeltes Plankton leuchten in verwischten Cyan- und Blaugrünbögen auf, zeichnen den Weg des Kampfes nach und verlöschen wieder im Nichts, als wären sie nie gewesen. Aus dem Tumult sinken Gewebetrümmer und organische Partikel langsam in Richtung Meeresboden herab, wo sie sich dem beständigen Regen mariner Schneeflocken beimischen und schließlich als Nahrungseintrag auf jene geduldige Welt aus Schlamm und Stille treffen, die ohne Zeugen, ohne Licht und ohne Unterbrechung existiert.

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