Spiegelfische im Hangstrom
Kontinentalhang

Spiegelfische im Hangstrom

In 260 Metern Tiefe gleitet das stille Relikt des Tageslichts – ein letzter, monochromer Schimmer aus Blau und Indigo – über einen sanft abfallenden Kontinentalhang, dessen Sedimentdecke aus feinkörnigem, blassgrauem Material jede frühere Strömungsbewegung wie in Zeitlupe festhält. Der Druck beträgt hier bereits rund 27 Bar, das Wasser hält eine Temperatur von kaum mehr als zehn Grad, und ein subtiler Konturgegenstrom streicht knapp über dem Boden dahin und trägt dabei einen feinen Schleier aus resuspendiertem Silt mit sich fort. In dieser Wassersäule treibt eine lose Gesellschaft von Beilfischen (*Argyropelecus* spp.) und juvenilen Borstenmäulern (*Cyclothone* spp.) im Querstrom, ihre spiegelglatten, lateral abgeflachten Flanken blitzen für den Bruchteil einer Sekunde zu flüssigem Silber auf, wenn sie sich im Strömungsfaden wenden, und verschwinden dann nahezu vollständig, sobald ihre papierdünnen Körper sich kantenweise zum schwachen Licht ausrichten – ein evolutionäres Meisterwerk der Gegenlichttarnung in einer Zone, in der auch Räuber mit nach oben gerichteten Teleskopaugen nach Silhouetten suchen. Tiefer im kobaltblauen Dunst, wo die Hangwand in eine gedämpfte Schlucht übergeht, pulsieren vereinzelte Biolumineszenzpünktchen: stille Signale einer Biomasse, die diesen Hang bewohnt, ohne je das Licht einer anderen Sonne als jener fernen, gefilterten zu kennen.

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