An der Tiefengrenze des Posidonia-Gürtels, bei etwa 28 Metern, verändert sich das Licht grundlegend: Das Sonnenlicht der Oberfläche ist durch die Wassersäule zu einem kühlen Blau-Grün gefiltert worden, Rottöne sind vollständig absorbiert, und nur noch zarte, diffuse Lichtschleier dringen herab und streifen die kürzer werdenden Blätter der Seegraswiese, die hier, an ihrem natürlichen Rand, in eine abfallende Terrasse aus altem Mattengestein übergeht. Diese „matte" – das dichte Geflecht aus Rhizomen und Wurzeln, das sich über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende aufgebaut hat – bildet eine strukturierte Kante, unter der heller Kalkschlamm und Muschelbruchstücke sedimentieren und zwischen dessen Trieben kaum sichtbare Sauerstoffbläschen an den Blättern haften, erzeugt durch die noch mögliche Photosynthese in diesem schwachen Restlicht. Über dem Baldachin hält sich ein kompakter Schwarm kleiner Silberfische dicht zusammen und wirft ein flimmerndes Schattenmuster auf die sich sachte wiegenden Blätter, während im Inneren des Grases Jungfische, Lippfischlarvenstadien, Seenadeln und winzige Krebstiere Schutz in einem Habitat suchen, das als eine der artenreichsten Kinderstuben des Mittelmeers gilt. In diesen Tiefen herrscht ein Druck von knapp drei Atmosphären – physiologisch noch gut erträglich für die Bewohner dieser Flachwasserzone, aber bereits nahe dem Grenzbereich, an dem das Licht für die photosynthetische Eigenversorgung der Pflanze zu schwach wird, und das Schweigen der Tiefe beginnt hier spürbar zu werden, weit entfernt von Wellen und Wind, als existiere diese Unterwasserlandschaft in vollständiger Stille aus sich selbst heraus.