Schwarzkorallen Steilhang
Kontinentalhang

Schwarzkorallen Steilhang

An 780 Meter Tiefe durchzieht eine mächtige Steilwand den Kontinentalhang – ein tektonisch zerklüfteter Abbruch aus Gestein, das sich in Simse, Rinnen und enge Spalten gliedert, während der Hang darunter nahezu augenblicklich in blauschwarze Tiefe versinkt. Der Druck beträgt hier bereits rund 78 bar, das Wasser hält eine konstante Temperatur von etwa vier bis sechs Grad, und das einzige Licht ist ein äußerst schwaches indigofarbenes Restlicht, das von der fernen Oberfläche herabfiltert – gerade genug, um die Silhouetten der Antipatharia, der Schwarzkorallen, als feine, verzweigte Strukturen aus dem Dunkel zu lösen. Zwischen ihnen ragen gläserne Kieselschwämme aus dem Fels, ihre hexactinelliden Skelette schimmernd in fast gespenstischer Transparenz, während die gespreizten Arme einzelner Crinoideen in die schleichende hangparallele Strömung greifen und kleinste Partikel aus dem Wasser filtern. Mariner Schnee und ein dünner nepheloider Schleier aus resuspendierten Sedimenten – contourstromumgelagertes Material aus canyon-gespeisten Transportereignissen – treiben lautlos durch das Bild, durchsetzt von vereinzelten biolumineszenten Aufblitzen von Plankton und winzigen Krebstieren, die das Wasser neben der Wand in kalte, flüchtige Funken tauchen. Diese Welt existiert vollständig jenseits jedes menschlichen Wahrnehmungshorizonts: schweigend, unter unvorstellbarem Druck, seit Jahrmillionen in sich selbst ruhend.

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