Schwefel Röhrenwurm Garten
Walfall

Schwefel Röhrenwurm Garten

Im Dunkeln eines abyssnahen Meeresbodens, wo der Druck hunderte Atmosphären beträgt und kein Sonnenstrahl je eindringt, erhebt sich aus schwefelgeschwärztem Sediment ein dichter Garten blasser Röhrenwürmer — Lamellibrachia und Verwandte — deren elfenbeinfarbene Scheiden sich dicht gedrängt zwischen geschwärzten Wirbelknochen und zusammengesunkenen Rippen eines gestrandeten Wals drängen, rote Kiemenplumes reglos in der vollkommen stillen Wassersäule schwebend. Die Energie, die dieses Leben trägt, stammt nicht von der Sonne, sondern aus der Oxidation von Schwefelwasserstoff, der entsteht, wenn anaerobe Bakterien das fettige, knochenimprägnierende Öl des Walkadavers zersetzen — Chemosynthese, dieselbe biochemische Strategie, die auch an hydrothermalen Quellen und Kaltwasseraustritten zum Einsatz kommt. Über das Sediment breiten sich weiche weiße Bakterienmatten aus, und aus den porösen Wirbelknochen sprießen Osedax-Kolonien wie zarte rosaote Wurzelfäden, jene hochspezialisierten Bohrwürmer, die Kollagen und Knochenlipide direkt verdauen. Sporadische blaugrüne Biolumineszenz driftender Planktonorganismen lässt feucht-glänzende Knochenoberflächen und die gespenstische Transluzenz der Wurmröhren für Bruchteile von Sekunden aufleuchten, während Meeresschnee lautlos durch das schwarze Wasser sinkt — ein Ökosystem, das sich vollständig selbst trägt, geduldig, kalt und vollkommen unbeobachtet.

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