Riff im Wolkenschatten
Korallenriff

Riff im Wolkenschatten

Im flachen Riffplateau, kaum zwei bis fünf Meter unter der Wasseroberfläche, verwandelt der Wechsel eines Wolkenschattens die gesamte Farbwelt innerhalb von Sekunden: Wo eben noch das tropische Sonnenlicht die irisierende Mantelschicht der Riesenmuscheln in Türkis, Smaragd und Bronze aufleuchten ließ, legt sich nun ein kühles Blaugrün über die ausgedehnten Tischkorallen der Gattung *Acropora*, deren plattenartige Strukturen aus Kalziumkarbonat über Jahrzehnte durch die unermüdliche Arbeit von Polypen aufgebaut wurden. An der Grenze zwischen Schatten und Licht tanzen Kaustikmuster – jene sich stets verändernden Lichtgeflechte, die durch die bewegte Wasseroberfläche gebrochen werden – über blasses Riffschutt und Sandtaschen, wo Federwürmer ihre zarten Fächerkronen in die Strömung halten und ein Papageifisch mit seinem harten Schnabelkiefer Karbonat von einem verkrusteten Kolonie­block abraspelt, ein biologischer Prozess, der maßgeblich zur Sanderzeugung tropischer Riffe beiträgt. In einer geschützten Nische zwischen Korallenköpfen bewegt eine Seeanemone ihre Tentakel im sanften Wasserzug, flankiert von einem Paar Clownfische, die im Schutz der nesselnden Tentakeln leben – eine der bekanntesten Mutualismen des Indo-Pazifiks. Feinstes suspendiertes Partikelgut treibt frei im Umgebungslicht und macht die Wassersäule sichtbar als das, was sie ist: ein lebendiges, von Sonnenlicht durchdrungenes Medium, das dieses Ökosystem von größter biologischer Dichte trägt, lange bevor die Tiefe Stille und Dunkelheit bringt.

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