Terrasse im Nachmittagsschatten
Seeberg-Gipfel

Terrasse im Nachmittagsschatten

Im Nachmittagslicht, das flach über das kaskadenförmige Karbonatpflaster streift, werden die gestuften Terrassen eines Tiefseevulkankegels zu einer Bühne aus hell leuchtenden Platten und kühlen blauen Schatten, die von den verzweigten Armen der Gorgonienfächer über die Felskanten hinausgreifen. Das Wasser ist von jener klaren, lebendigen Ozeanfarbe, die nur dann entsteht, wenn volles Tageslicht durch Schichten aus Phytoplankton und Schwebepartikeln fällt und dabei Gottesstrahlen und zitternde Kaustiken in die Tiefe wirft — physikalisch ein Beweis dafür, dass man sich noch innerhalb der euphotischen Zone befindet, in der Photosynthese und das gesamte Nahrungsnetz des Pelagials seinen Ursprung nehmen. Dichte Schwärme von Stachelmakrelen ziehen in silbernen Spiralen über das hartsubstratreiche Plateau, ihre Schuppen flitzen weiß-blau auf, während Thunfische mit kraftvollen Schlägen in aufgelöste Köderfischschwärme am Rand des Steilabfalls stoßen — ein Verhalten, das wissenschaftlich gut belegt ist und zeigt, wie Seeberggipfel als produktive Aggregationszonen fungieren, an denen topographisch erzwungene Auftriebsprozesse Nährstoffe ins Licht heben. An der tiefer gelegenen Abbruchkante, wo das helle Karbonatplateau abrupt in ein offenes Ultramarinblau stürzt, beginnen die ersten Fächer von Schwarzkorallen — Antipatharia — den Übergang in kühlere, lichtärmere Wasserschichten zu markieren, jene biologische Grenzlinie, jenseits derer die Welt langsam versinkt und verstummt.

Other languages