Borstenmäuler Sternfeld
Mesopelagische Biolumineszenz

Borstenmäuler Sternfeld

In den dämmerhaften Tiefen zwischen zweihundert und tausend Metern, wo das Sonnenlicht sich in ein mattes, kobaltblaues Zwielicht auflöst und schließlich ganz erlischt, lebt die wohl artenreichste Fischgruppe der Erde: die Stachelmäuler (*Cyclothone* spp. und Verwandte), winzige, kaum fingerbreite Wesen mit überdimensionalen Augen und präzise angeordneten Photophoren entlang des Bauchs, die in kaltem Blau-Grün pulsieren. Dieser mittelozeanische Lebensraum — druckbelastet, nahezu lichtlos und von einer Stille durchzogen, die kein Festland kennt — beherbergt Milliarden dieser Fische, deren Gesamtbiomasse jene aller anderen Wirbeltiere des Planeten übertreffen dürfte. Die Photophoren dienen der Tarnung durch Gegenschattierung: Ihr schwaches Leuchten gleicht die letzte Resthelligkeit von oben aus, sodass die Fische für Räuber aus der Tiefe unsichtbar bleiben. Inmitten von träge herabrieselndem Meeresschnee — organischen Partikeln, die als einzige Verbindung zur fernen Oberfläche durch die Wassersäule sinken — bilden die Tiere eine lebende Konstellation, deren einzelne Lichtpunkte mit zunehmender Entfernung zu einem geneigten Sternfeld verschwimmen, einem Universum im Universum, das seit Jahrmillionen ohne Zeugen existiert.

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