Im frühen Morgenlicht gleitet ein loses Sargassum-Floß über eine spiegelglatte, fast windstille Oberfläche des offenen Atlantiks – ein sogenanntes *mer d'huile*, ein Ölmeer, bei dem der Wellengang auf Beaufort 0 bis 1 gesunken ist und die kaum merklichen Kapillarwellen das goldene Sonnenlicht in sanfte Kaustikmuster unter der Wasseroberfläche verwandeln. Die braun-goldenen Tange der Gattung *Sargassum*, mit ihren charakteristischen pneumatischen Auftriebsblasen (*aerocysts*), bilden ein einzigartiges pelagisches Ökosystem – das einzige großflächige Lebensraumfloß im freien Ozean –, das im Sargassosee und darüber hinaus Dutzende hochspezialisierter Arten beherbergt, darunter *Histrio histrio*, die Sargassumfischkröte, sowie zahlreiche Garnelen, Krabben und Schnecken, die in ihrer Tarnfärbung perfekt an das gelblich-braune Geflecht angepasst sind. Die Meeresoberflächenmikroschicht (*sea-surface microlayer*, SML) – eine nur Mikrometer dünne Grenzzone zwischen Atmosphäre und Ozean – ist hier besonders reich an gelösten organischen Substanzen, Tensiden biologischen Ursprungs und Mikroorganismen, die den Gasaustausch von CO₂ und O₂ zwischen Meer und Luft regulieren. In dieser Stille, fernab jedes Ufers, existiert das Floß als eine in sich geschlossene, treibende Welt: vollständig selbsttragend, vom Tageslicht durchdrungen, von Strömungen gelenkt, still und vollkommen ohne Zeugen.
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