Gorgonien Wandströmung
Korallenriff

Gorgonien Wandströmung

An der nahezu senkrechten Vorderriffwand aus porösem Karbonatkalk, die in Tiefen zwischen 25 und 35 Metern ins kühlere Dunkel abfällt, herrscht ein beständiger, gleichmäßiger Strömungszug, der die hohen Gorgonien — leuchtend violett und bernsteinfarben — wie lebende Fahnen seewärts biegt. Ihre feinen Verästelungen und die ausgestreckten Polypen sind in dem gefilterten, zyanfarbenen Restlicht noch erkennbar, das von der gerippelten Oberfläche weit oben herabdringt und in blassen Kaustikmuster auf den oberen Gesimsen flirrt, bevor es sich nach unten hin in ein tiefes Kobaltblau auflöst. Die Wandsimse sind dicht besetzt mit bauchigen Tonnen- und krustenbildenden Schwämmen, deren Poren den vorbeitreibenden Partikeln aus dem Wasser organisches Material entziehen — eine stille Filtration unter einem Druck von etwa drei Atmosphären. Ein Papageienfisch gleitet in ruhigen Schlägen über das Gestein und hinterlässt gelegentlich das leise Knirschen von Karbonatkalk, während kleine Rifffische in den Faltungen der Fächer Deckung suchen. Diese Wand existiert vollständig in sich selbst: ein von Strömung und Licht geformtes Ökosystem, das weder Zeugen noch Beobachter kennt.

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